„…sie werden mein Leben haben, aber nicht meine Ehre.“

5. Dezember 2013 at 20:45

Die DS sprach mit dem Freund und geistlichen Beistand Erich Priebkes, dem Priester der Bruderschaft Sankt Pius X. Pater Florian Abrahamovicz, über den Tod und die Umstände der gescheiterten Beisetzung des Verstorbenen

Frage: Pater Abrahamowicz, Erich Priebke hat nun sein Lebensziel erreicht. Wie haben Sie als Freund und priesterlicher Beistand Nachricht von seinem Tode erhalten?

Abrahamowicz: Auf einmal bekam ich einen ganzen Schwarm von SMSs: “E’ morto il capitano Priebke”. Und gleich fielen mir seine Worte ein: “… sie werden mein Leben haben, aber nicht meine Ehre”. Aufgrund des Medienrummels tat ich aber zunächst mal gar nichts.

Frage: Der 100. Geburtstag wurde noch einmal gefeiert? Welchen Eindruck machte Priebke dabei auf Sie? Hatte er wirklich an die Milde des „demokratischen Italiens“ geglaubt und vielleicht doch noch mit seiner Freilassung gerechnet?

Abrahmowicz: Es wäre der Wunsch vieler gewesen, den hundertsten Geburtstag Erich Priebkes zu feiern. So bat mich zum Beispiel Gianluca Versace, ein Journalist von Canale Italia, einem nationalen Privatfernsehen, ein Interview mit dem „capitano“ [Erich Priebke war als Hauptsturmführer in der militärischen Rangkonkordanz der Wehrmacht Hauptmann, O.R.] zu organisieren. Dr. Giacchini, der Rechtsanwalt Priebkes, meinte, daß ein Interview zum hundertsten Geburtstag dem unter Hausarrest befindlichen Häftling Priebke schaden könnte. Die wenigen Freiheiten wie Einkaufen, zum Arzt oder in die Kirche gehen zu können, liefen Gefahr, gestrichen zu werden. Es wäre schließlich nicht das erste Mal gewesen, daß die jüdische Gemeinde Roms Hafterleichterungen Priebkes torpediert hätte. Also ließen wir davon ab.
Wenn Priebke auch auf die Milde des demokratischen Italiens hoffte, so war er doch Realist und unterschätzte nie den starken Einfluß der jüdischen Gemeinde auf die milde Republik…

Frage: Glauben Sie, daß die Fortdauer der Gefangenschaft nach seinem 100. Geburtstag seinen Lebenswillen brach?

Abrahamowicz: Im Gegenteil. schon im Gefängnis “Regina Coeli”, als man ihn ohne warmes Wasser gefangen hielt, stählte Priebke seinen Lebenswillen: kalte Dusche jeden Tag. Für einen Achtzigjährigen ist das doch wohl ein Zeichen von Lebenswillen. Sicher muß es auch dunkle Stunden gegeben haben. Dachte Priebke doch bestimmt auch mehr als einmal, daß die Gerechtigkeit ihren normalen Lauf nehmen würde und der Alptraum der unschuldigen Gefangenschaft ein Ende hätte. Es kam aber anders. Nach zweimaliger Freisprechung kam die Verurteilung. So eine Verurteilung bricht den Willen desjenigen, der all seine Hoffnung in die auf Willkür fußenden Prinzipien der modernen Demokratien setzt. Ein wahrheitsliebender Geist trinkt den Schierlingsbecher und rettet mit der Wahrheit die Ehre!

Frage: Bei welcher Gelegenheit haben Sie Priebke eigentlich kennengelernt?

Abrahmowicz: Ein Gläubiger der Priesterbruderschaft aus Bologna, Andrea Avanzi, brachte mich zu Erich Priebke. Ich sollte ihm priesterlichen Beistand anbieten. Bei dieser Gelegenheit erfuhr ich überhaupt erst, daß Erich Priebke katholisch war. Da er schon priesterlichen Beistand hatte, unterhielten wir uns einfach. Geschlagene fünf Stunden lang erzählte der bereits über Neunzigjährige mir daraufhin seine Geschichte.

Frage: Wenn Sie den Menschen und Soldaten Erich Priebke beschreiben sollten, was waren seine wesentlichen oder hervorstechendsten Charaktermerkmale?

Abrahamowicz: Sein Buch, diese umfangreiche Lebensbeichte, herausgegeben von Dr. Giacchini, habe ich gelesen. Das erstaunliche an der Person Priebkes ist doch eigentlich das, was man aus ihm gemacht hat. Aus einem ganz normalen, unbekannten Soldaten hat man den „Fall Priebke“ konstruiert und aus dem Menschen Priebke ein Monster gemacht. Gewiß, nachdem Priebke gewahr wurde, daß er das von ‚Nazijägern‘ auserkorene Schlachtopfer werden würde, wuchs in ihm der Starkmut und das Ehrgefühl.
Der künstlich aufgebauschte „Fall Priebke“ ist symptomatisch für die Unfähigkeit einer Gesellschaft, ihre Vergangenheit ehrlich und ungeschminkt aufzuarbeiten. So wie sich die moderne Demokratie von der absoluten Wahrheit losgelöst hat, so gleichermaßen die moderne Philosophie und das moderne Geschichtsverständnis. Die so hoch gepriesene Freiheit der Meinungsäußerung ist in Wahrheit nur eine Chimäre. Da sie nicht auf ewigen Werten fußt, wendet sie in allen Lebensbereichen ebenso willkürliche wie kurzfristige Klischees an. So kommt es dann, daß gestern alle Nazis waren, und heute natürlich alle Antifaschisten. Diesbezüglich schrieb Guareschi, der Autor von don Camillo und Peppone, schon vor Jahrzehnten über die Italiener: „1945 gab es in Italien 90 Millionen Einwohner: 45 Millionen Faschisten und 45 Millionen Antifaschisten.“
Dabei ist man sich gar nicht bewußt, daß die hochgepriesenen ‚Demokratien‘ heute viel mehr unschuldige Opfer von Rechtswegen im Schoss der Mütter und auf dem Krankenbett dahin schlachten als andere Systeme zuvor. Und wo das nicht von Rechtswegen geschieht, wird es über “Demokratieexport”, das heißt Krieg, eingeführt.

Frage: Selbst die Pius-Bruderschaft spricht ja nun von einem Kriegsverbrecher. Hat er aus Ihrer Sicht als Priester militärisch, menschlich oder religiös ein Verbrechen begangen, also Schuld auf sich geladen?

Abrahmowicz: Nach der Lektüre der fast tausend Seiten der übrigens glänzend geschriebenen Autobiographie von Priebke komme ich zu dem Schluß, daß nicht Priebke, also nicht der einfache Soldat, sondern die gottlose Ideologie der modernen Demokratie schuld an den Kriegsmassakern ist. Wobei die schreckliche Massenerschießung von Geiseln in den adreatinischen Gräben ausdrücklich im internationalen Kriegsrecht verankert, also kein Kriegsverbrechen ist. Ein Verbrechen im militärischen und im bürgerlichen strafrechtlichen Sinn war hingegen das feige Bombenattentat der Kommunisten auf die Soldaten der Wehrmacht.
Sind die Bombenmassaker auf hunderttausende Zivilisten seitens der Siegermächte keine Verbrechen? Aus der Sicht der Sieger natürlich nicht. Ansonsten hätte man für den Nürnberger Prozeß einen entschieden größeren Saal benötigt, und Priebke wäre zusammen mit vielen Piloten der RAF verurteilt worden. Doch die gottlosen Demokratien schalten und walten willkürlich. Und somit führen sie unweigerlich zur Diktatur, die dann zunächst gutgeheißen und später dann verteufelt wird. Und da müssen dann Sündenböcke herhalten. Wie wird der nächste heißen?
Das erschütterndste aber ist die Komplizenschaft der neuen Kirche des zweiten Vatikanischen Konzils. Während alle Päpste seit der französischen Revolution das Trugbild der modernen “Freiheiten” als menschenunwürdig verurteilten, da dies auf Willkür fuße und somit die Bürger auch der Willkür ausliefere, hat das zweite vatikanische Konzil diese abtrünnigen Staatsformen nicht nur gutgeheißen, sondern die aus diesem Pseudokonzil hervorgegangene Katholische Kirche hat all diejenigen Staaten, in deren Verfassung die katholische Religion noch Staatsreligion war, aufgefordert, diese aus der Verfassung zu streichen. Es war das große Verdienst Erzbischofs Lefebvres, diese Wahrheiten seiner Bruderschaft weiterzugeben. Von eben dieser Bruderschaft habe ich ja auch dieses Wissensgut erhalten. Warum die jetzige Führung auf einmal sich dem Mainstream angleichen will, ist mir ein Rätsel. Priebke wird wieder zum Kriegsverbrecher abgestempelt, die Twintowers wurden angeblich von bin Laden zerstört, das Holocaustdogma wird kritiklos angenommen usw. Dabei ist es merkwürdig, daß die Priesterbruderschaft einerseits Bischof Williamson vorwirft, gewisse historische Themen behandelt zu haben mit der Begründung, ein Bischof habe über solche Themen nicht zu sprechen; im selben Atemzug aber äußert sich die Priesterbruderschaft selbst zu diesen Themen. Wurde sie dazu gezwungen?

Frage: Uns interessieren natürlich auch die Vorgänge um sein Requiem und seine Beerdigung. Haben Sie jemals einen solchen postumen Haßausbruch erlebt oder kennen Sie historisch vergleichbare Beispiele? Wo befindet sich der Leichnam jetzt?

Abrahamowicz: Die Vorgänge um das Requiem sind eine traurige Geschichte. Der Haßausbruch um den Leichenwagen erinnert mich an den Haßausbruch am Sarg von Papst Pius IX. Man wollte damals, 1878, den Sarg des Papstes sogar in den Tiber werfen.
Als ich über die Medien erfuhr, daß das römische Vikariat ein Verbot erteilte, in der Diözese Rom das Begräbnis abzuhalten, rief ich den Rechtsanwalt von Priebke, Dr. Giacchini, an und schlug ihm vor, mit mir in Rom eine Requiem-Feldmesse zu halten. Die Idee gefiel ihm sehr. Kurze Zeit danach erreichte ihn aber die Nachricht, daß man doch eine Kirche und einen Zelebranten [Ein der Heiligen Messe vorstehender Kleriker, O.R.] gefunden habe. Fürchtete Rom also einen Pater Abrahamowicz mehr als Priebke? Nun stellte sich heraus, daß die Priesterbruderschaft Sankt Pius X. das Begräbnis in Albano Laziale halten sollte. Ich war erfreut und teilte der Presse meine Freude darüber mit, daß die Bruderschaft mit diesem Akt langsam wieder „aufhole”. Nur wurde meine Freude frustriert. Meiner Kenntnis nach verliefen die Ereignisse folgendermaßen. Ein wirkliches Begräbnis fand eigentlich nicht statt. Der Leichenwagen ist zwar mit Ach und Krach auf das Gelände der Bruderschaft gefahren worden, der Sarg aber blieb im Leichenwagen, die Angehörigen standen draußen und konnten nicht hinein. Der Rechtsanwalt wollte nicht, daß unter diesen Umständen die Totenmesse beginnt. Der Beichtvater Priebkes legte somit die Paramente [liturgische Gewänder, O.R.] ab. der Obere des Hauses aber, don Pierpaolo Pietrucci, war anderer Meinung, machte sich zur Zelebration bereit und las eine stille Totenmesse. Dabei hatte selbiger Pater zwei Wochen zuvor mitgeteilt, daß er keine Messen für Faschisten lese… Zu später Abendstunde wurde dann der Sarg doch ins Haus getragen und die Zeremonie vervollständigt. Um ein Uhr nachts schließlich verließ der Leichenwagen Albano, verblieb in einem Militärflughafen, bis der Sarg schließlich an einen uns unbekannten Ort gebracht wurde. Über die unwürdigen Schmähungen des Toten durch einen aufgehetzten linken Mob möchte ich hier schweigen.
Requiescat in Pace! Er möge ruhen in Frieden!

Frage: Was brach eigentlich über Sie herein, als sie versuchten, Ihrer priesterlichen Pflicht zu genügen und Erich Priebke als Freund sein wunschgemäßes katholisches Begräbnis auszurichten?

Abrahamowicz: Ich hatte, so wie mit Dr. Giacchini vereinbart, am Samstag nach dem “Begräbnis” eine Totenmesse, ein Requiem gesungen. Linksradikale waren damit anscheinend nicht einverstanden. Die Folgen waren rote Farbbomben an den Wänden meines Gemeindehauses, obszöne Schmähschriften als Graffiti an den Mauern und Anrufe mit Homosprüchen wegen meines Zölibats, alles nicht unbedingt beeindruckend.

Frage: Gab es auch positive Reaktionen?

Abrahmowicz: Sehr zahlreich sind diejenigen aus aller Welt, die mir ihre Nähe zum Ausdruck gebracht haben. Selbst der Bürgermeister aus der naheliegenden Gemeinde Resana, Loris Mazzorato, hat am Requiem teilgenommen und der Presse erklärt, daß er sich als Bürgermeister wie Priebke fühle. Auch er ist von Staats wegen verpflichtet, unschuldige Bürger in den Tot zu schicken, denn infolge des hohen Steuerdrucks nehmen sich viele Leute in Veneto das Leben, ganz so wie in Deutschland gegen Ende der Weimarer Republik…

Frage: Sie sind ja nicht nur als konsequenter Beistand und Verteidiger von Priebke aufgefallen. Sie haben sich schon zuvor immer wieder um der historischen Wahrheit willen auf „vermintes Territorium“ begeben; ich denke nur an die Ihnen erwiesene Ehre, als „Verlierer des Tages“ die Titelseite der Bild-Zeitung geziert zu haben. Was ist Ihre Triebfeder?

Abrahamowicz: Meine Triebfeder will die Liebe zur Wahrheit sein. Möge der Fall Priebke die Gelegenheit für viele sein, unsere Geschichtsbücher kritischer zu betrachten. Etwas ist nicht deshalb wahr, weil es alle sagen oder weil Hollywood einen Film darüber gedreht hat…
Gerne bin ich der „Verlierer des Tages”, wenn das helfen kann, den Monsterbetrug auf politischer, wirtschaftlicher und sozialer Ebene der letzten drei Jahrhunderte aufzudecken, und die Rückkehr zur christlichen Gesellschaftosordnung und dem sozialen Königtum Christi einzuleiten.

Pater Abrahamovic, wir danken Ihnen für dieses Interview.

Das Interview für die DS führte Dr. Olaf Rose

Zur Person: Pater Florian Abrahamowicz wurde 1961 in Wien als Sohn eines protestantischen Pfarrers und einer italienischen Mutter geboren. 1978 lernte er Erzbischof Marcel Lefebvre, den Gründer der Priesterbruderschaft Sankt Pius kennen, acht Jahre später entschloß er sich, dort Priester zu werden. Nach Stationen in Albanien und im Zaitzkofener Priesterseminar, wo Bischof Richard Williamson sein folgenschweres Interview gab, wurde er 1998 nach Oberitalien beordert. 2007 wehrte er sich gegen Annäherungsversuche der Bruderschaft an Rom, und 2009 hatte diese schließlich wegen seiner holocaustkritischen Äußerungen einen Anlaß gefunden, den unbequemen und konsequenten Verfechter der Wahrheit aus der Bruderschaft auszuschließen. Seine Gemeinde aber blieb ihm treu, und so liest Pater Abrahamowicz jeden Sonntag seine Messe auf Italienisch mit einer französischen und deutschen Zusammenfassung [ www.livestream.com/domusmarcel ]. 2011 lud Pater Abrahamovicz Dr. Olaf Rose, den er dolmetschte, zu einem Vortrag über Rudolf Heß nach Oberitalien ein.